Intro PRI #2: Wie soll ich am besten üben? Entspannung wichtiger als Kraft?

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Viele Menschen denken bei Therapie oder Training zuerst an Aktivierung. Ein Muskel ist zu schwach? Dann muss er eben stärker werden.

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild. Oft ist ein Muskel nicht deshalb inaktiv, weil ihm Kraft fehlt, sondern weil andere Strukturen dauerhaft die Arbeit übernommen haben. Das Nervensystem greift auf bekannte Kompensationen zurück und der eigentlich benötigte Muskel gerät immer mehr in den Hintergrund.

Genau hier setzt die Arbeit mit Postural Restoration® (PRI) an.

Erst das Hintergrundrauschen reduzieren

Bevor ein Muskel wieder sinnvoll arbeiten kann, muss das System zunächst ruhiger werden.

Die ersten Übungen dienen deshalb vor allem der sogenannten Inhibition. Vereinfacht gesagt geht es darum, überaktive Muskelketten und Kompensationen vorübergehend auszubremsen. Durch bestimmte Positionen, gezielte Atmung und eine präzise Ausführung erhält das Gehirn die Möglichkeit, den Zielmuskel wieder wahrzunehmen und anzusteuern.

Viele Patienten beschreiben diesen Moment als besonders. Ein Muskel, der vorher kaum spürbar war, wird plötzlich wieder wahrgenommen. Vielleicht zittert er dabei sogar überraschend – ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem gerade neue Wege findet.

Je nach Ausgangslage ergänze ich diesen Prozess durch manuelle Techniken. Dazu gehören PRI-spezifische Ansätze, aber auch gezielte Pandiculationen oder Bindegewebstechniken. Ziel ist für mich immer, dem Nervensystem des Patienten bessere Voraussetzungen für eine differenzierte Muskelansteuerung zu schaffen.

Vom einzelnen Muskel zum funktionierenden Team

Sobald ein Muskel wieder gefunden und aktiviert werden kann, beginnt die nächste Phase.

Nun geht es nicht mehr um Isolation, sondern um Integration. Der Muskel soll wieder lernen, mit anderen Muskeln zusammenzuarbeiten. Dabei bewegt sich der Körper nicht nur in einer Ebene, sondern dreidimensional – PRI spricht hier von einer triplanaren Integration.

Wir wollen schließlich nicht Schwarzgurt im Liegen werden 😉

Die Herausforderung besteht darin, die neu gewonnene Funktion beizubehalten, ohne in alte Bewegungsmuster zurückzufallen. Letztlich soll der Muskel nicht nur während einer Übung arbeiten können, sondern auch im Alltag, beim Gehen, Heben, Drehen oder Sport.

Die eigentliche Herausforderung: Loslassen können

Ein Aspekt wird dabei häufig unterschätzt: Entspannung.

Viele Menschen können einen Muskel anspannen. Deutlich schwieriger ist es jedoch, die Spannung anschließend wieder abzugeben.

Genau das beobachten wir in der Therapie sehr genau. Ein Muskel sollte aktiv werden, wenn er gebraucht wird, und wieder loslassen, wenn seine Aufgabe erfüllt ist.

Bleibt die Spannung dauerhaft erhöht, arbeitet das Nervensystem weiterhin in einem ineffizienten Muster. Der Körper hält sich dann nicht durch gute Kontrolle stabil, sondern durch Steifigkeit und überflüssige Muskelspannung.

Aus neurologischer Sicht ist die Fähigkeit zur Entspannung genauso wichtig wie die Fähigkeit zur Aktivierung.

Was bedeutet das für die Therapie?

Die Übungsprogression folgt einer klaren Reihenfolge. Zunächst wird der Zugang zu einem Muskel wiederhergestellt. Danach wird seine Funktion schrittweise in komplexere Positionen und schließlich in Bewegungen integriert.

Der Weg führt also von der Isolation durch Inhibition zur Integration.

Gerade weil dieses neuromuskuläre Feintuning sehr sensibel ist, kommt es auf die genaue Ausführung der Übungen an. Kleine Veränderungen in Position, Atmung oder Belastung können darüber entscheiden, ob das Nervensystem ein neues Bewegungsmuster übernimmt oder wieder auf alte Kompensationen zurückgreift.

Deshalb sind eine individuelle Analyse und eine präzise therapeutische Anleitung ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation mit PRI.

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